Jean Güsken
(Johann Cornelius Anton)
* 7. März 1844 in Eupen
+ 27. Mai 1923 in Dülken
"In der Reihe der verdienten Textilmaschinenfabriken unseres Landes, die auf einen längeren Zeitraum wirtschaftlicher Tätigkeit blicken können, gehört die Textilmaschinenfabrik Jean Güsken, Dülken, die mit berechtigtem Stolz auf ihre Erfolge zurückblicken kann." So kann man es in der Festschrift zum 100jährigen Firmenjubiläum (1974) lesen. 1)
Der Gründer der Firma Jean Güsken, Johann Cornelius Anton, mit dem Rufnamen Jean, wurde am 7. März 1844 in Eupen als Sohn eines Bäckers geboren." Die Stadt lag sZt im Regierungsbezirk Aachen, da Eupen seit dem Wiener Kongreß 1815 zu Preußen gehörte. Heute ist Eupen eine Stadt im Grenzgebiet von Belgien.
Nach einer Ausbildung als Schlosser war er Obermeister in einer Maschinenfabrik in Eupen in der auch Felix Tonnar als junger Ingenieur tätig war. 1867 verlegte Jean Güsken seinen Wohnsitz nach Dülken. Felix Tonnar (* 16.5.1829 in Eupen) baute in Dülken als Ingenieur 1860 die Dülkener Gasanstalt und gründete 1867 die Firma Felix Tonnar, Maschinenbauanstalt & Eisengießerei, Dülken. Er holte hierzu viele Arbeiter aus Eupen nach Dülken, weil die vorhin erwähnte Maschinenfabrik schließen mußte (Matthias Lennertz, der Großvater des Verfassers, kam ebenfalls, und zwar 1888, von Eupen nach Dülken und arbeitete 44 Jahre als 1. Modellschreiner bei Tonnar.). So leben heute noch viele Nachkommen dieser Eupener in Dülken und dem Rheinland. Im Lohnbuch') der Firma Felix Tonnar wird der Name Johann Güsken als 22. Mitarbeiter erstmalig in der Lohnliste vom 16. Juli 1867 geführt. Sein Lohn als Schlosser betrug pro Tag 20 Silbergroschen (Sgr). Der Meister 1 Mertens (ebenfalls ein Eupener) verdiente 35 Sgr. In der Löhnung vom 31. März 1875 wird Johann Güsken letztmalig erwähnt.
Am 9. Oktober 1872 41 heiratete Jean Güsken im Bürgermeisteramt Dülken Anna Catharina Luise Peemans. Trauzeugen waren u.a.: "ein Vetter Wilhelm Holtz, Dülken, Stand Eisengießer" sowie "ein Bekannter: Leo Sistig, Dülken, Stand Maschinenschlosser." Der Name Holtz ist uns noch bekannt als die "Eisengießerei Holtz, Dülken" und Leo Sistig steht im Tonnar-Lohnbuch vom 31.7.1870 und gründete später die bis vor einigen Jahren bestehende Maschinenfabrik Leo Sistig in Krefeld.
Aus der Ehe Güsken/Peemans gingen 10 Kinder hervor (6 Mädchen und 4 Jungen). Drei Söhne sind uns bekannt aus der Dülkener bzw. Krefelder Firmengeschichte:
Wilhelm, * 1879, Inhaber der Firma
Eisengießerei Wilhelm Güsken, Dülken; Wasserstraße. 12;
Julius, * 1880, späterer Inhaber der Firma
Jean Güsken, Dülken, Heiligenstraße. 75;
Ludwig, * 1881, Inhaber der Firma Ludwig
Güsken, Seidenweberei, Krefeld, Gutenbergstr. 214.
Die Privatwohnung von Jean Güsken soll nach Notizen ehem. Mitarbeiter zuerst in Dülken, Langestr. 75 und später auf der Viersener Str. 3 in der Nähe der Mariensäule (wo sie bis nach dem 2. Weltkrieg, in der Kurve Langestr. / Viersener Str. stand.) gewesen sein.
Im Jahre 1874 5) gründete Jean Güsken im Hause von Heiß und Kutscheidt in Dülken auf der Langestraße eine Schlosserei 5). Ehemalige Betriebsangehörige wissen auch von einer Werkstätte auf der Blauensteinstraße 17 - früheres Haus der Geschwister Heisters - im Anbau auf der Hofseite (Börsenstraße) (Allerdings habe ich darüber keine Dokumente gefunden). Dort stellte er verschiedene Teile für H.Indwebstühle her. In den alten Aufzeichnungen der ehemaligen Mitarbeiter ist auch die Rede von einer Wurstabfüllmaschine. Hier spielt sicher die verwandtschaftliche Beziehung zu einer Metzgerei Peemans (Seite seiner Frau) eine Rolle.
1849 laufen in Dülken 470 und 1880 1160 Handwebstühle 5a) . In der Gründerzeit der Firma Jean Güsken begann auch die Erfindung des mechanischen Webstuhles und damit die Industrialisierung der Weberei. (Die Firma Weyetmann stellte 1894 die ersten mechanischen Webstühle auf 5a)
Aus der kleinen Gruppe von Mitarbeitern entwickelte und vergrößerte sich der kleine Betrieb von Jahr zu Jahr. Der Mitte der 70er Jahre begonnene Siegeszug des mechanischen Webstuhls war nicht mehr aufzuhalten und damit die Industrialisierung der Webereien. Zum Beispiel gab es später (1904) im linksrheinischen Gebiet über 50 Samt- und Samtbandwebereien (davon 15 Betriebe mit 200 - 1000 Mitarbeitern).
Jean Güsken brachte als Praktiker alle Voraussetzungen für den Erfolg mit. Ein fast geniales Verständnis für technische Zusammenhänge, Mut zum unternehmerischen Risiko, einen sicheren Blick für den Markt mit seinen Möglichkeiten und Grenzen.
Am 22.10.1891 erfolgte eine Eintragung der Firma Jean Güsken in das Handelsregister beim Amtsgericht Dülken unter der Nr. A147. " (Bis 1968 hatte Dülken ein eigenes Amtsgericht auf der Klosterstraße gegenüber der Südschule - heute Kreuzherrenstr. u. Kreuzherrenschule)
Für den Betrieb wird am 22.4.1892 eine"Arbeitsordnung für die Arbeiter der Maschinenbauerei Jean Güsken, Dülken", dem königlichen Bürgermeisteramt zu Dülken zur Beglaubigung eingereicht. 7) Aber - so schreibt der Bürgermeister am 23.4.1892 zurück - die "einzureichenden Arbeitsordnungen müssen von den Arbeiter "Ausschüssen" begutachtet sein. Das Gutachten desselben ist beizufügen."
Um diese Zeit, bis 1895, hatte sich das Unternehmen Güsken so entwickelt, daß ein Umzug in eine größere Betriebsstätte auf der Gasstraße erforderlich wurde.
1899 fotografierte der - unserer Generation persönlich noch bekannte - Dülkener Fotograf Breuer eine Stadtansicht von Dülken. Auf dieser Ansichtskarte ist u.a. der Betrieb auf der Gasstraße zu sehen. 8) Für unsere Generation war noch lange am Mauerwerk die verblaßte Inschrift "Jean Güsken" zu sehen.
In alten Prospekten und - wie damals üblich - Briefbogen 9) ist das umfangreiche Produktionsprogramm zu sehen. Für die heimische Webindustrie - aber schon bald auch für den Export - wurden Webstühle für Samt, Mohair, Plüsch, Cord und Leinen sowie Rutenstühle, Samtbandstühle, Spul- Schär- und Zettelmaschinen hergestellt. 1904 gab es z.B. im linksrheinischen Gebiet über 50 Samt- und Samtbandwebereien (davon 15 Betriebe mit 200 - 1000 Mitarbeitern).
Am 11. Dezember 1911 stirbt Frau Jean Güsken geb. Luise Peemans.
1912 wurde die stillgelegte chemische Fabrik auf der Wasserstraße in Dülken (Brand, 1903, bei der Firma Dr. Hoppe & Horlé 10) ) von Jean Güsken gekauft und zu einer Gießerei umgebaut. Der Firmenname wird geändert in jean Güsken Maschinenfabrik & Eisengießerei". (G. Perdelwitz erwähnt in "Chronographie der Stadt Dülken" eine Gründung 1906)
Im gleichen Jahr nimmt Jean Güsken seine Söhne als Teilhaber auf.
Wilhelm * 10.3.1879 übernimmt die Leitung der Gießerei
Julius * 04.6.1880 übernimmt die Leitung der Maschinenfabrik
Ludwig * 14.8.1881 übernimmt die gesamte kaufmännische Leitung.
1914 - mit Beginn des Ersten Weltkrieges - ging die normale Produktion zurück. In einem Zeugnis vom 16.8.19149) wird sogar von einer Betriebsstillegung geschrieben. Im "Wirtschaftlicher HeimatffiWer und Lehreradreßbuch für die Rheinprovinz" schreibt man Cöln im Kriegsjahr 1917: "In das Werk friedlich fleißiger Arbeit griff auch hier der Krieg mit rauhen Händen ein. Die Textil-Industrie kam fast ganz zum Stillstand, und damit schwand auch ihr Bedarf an Maschinen. So wurde die Sachlage für das Jean Güskensche Werk kritisch. Aber die der Werksleitung innewohnende Anpassungsfähigkeit und ihr unverzagter Mut halfen glücklich darüber hinweg. Sie bemühte sich um Heeresaufträge und wandelte den Betrieb für die Herstellung von Geschossen, namentlich Granaten um. Im Herbst 1914 wurde die Tätigkeit mit einer Belegschaft von 70 Arbeitern begonnen, und gegenwärtig sind damit 10 Beamte, kaufm. und techn., und 225 Arbeiter und Arbeiterinnen in Tag- und Nachschicht bei ausreichendem, guten Verdienst beschäftigt."
Aber 1923 ist die Anmietung eines weiteren Zweigbetriebes auf -der Friedrichstraße in Dülken notwendig für die Montage von Schärmaschinen und Rutenwebstühlen. Ehemalige Mitarbeiter wissen noch, daß die früheren Räume der Angora-Plüschfabrik (Süchtelner Str./Friedrichstr.) benutzt wurden. (später Finanzamt 11`) Dietermann etc.)
Am 27. Mai 1923 stirbt der Firmengründer
Jean Güsken, fast 80jährig 5).
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1) Festschrift 1974: j 00 Jahre Textilmaschinenfabrik Jean
Güsken, Dülken"
2) lt. Geburtsurkunde 102 / 1844
3) aus der Sammlung von Alfons Born, dem Urenkel von Felix Tonnar
4) lt. Heiratsurkutide 43 / 1872
5) Nachruf in Viersener Völkszeitung 29.5.1923 (Stadtarchiv Viersen) - s. Kopie
im Anhang
5a) "Chronographie der Stadt Dülken" G. Perdelwitz
6) lt. BP-Bericht Finanzamt vom 6.2.1968
7) Stadtarchiv Viersen - siehe Kopie im Anhang
8) Postkarten von 1899 und nach 1904 imAnhang (Archiv Helmut Schnorr)
9) Zeugnis Peter Dommers vom 16.8.1914 s. Kopie im Anhang
10) Heimatbuch des Kreises Viersen 1998 S. 185
11) jm Zeichen der Windmühle", Paul Weyers, S. 19
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Quelle: "Jean Güsken, Textilmaschinen, Dülken", Hans -Willi Lennertz, 1999, Text und Bild mit freundlicher Genehmigung des Autors.
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